Wer die natürliche mediterrane Flora erleben will, sollte nach Korsika reisen und dort durch die Wälder und entlang urtümlicher Schmugglerpfade entlang der Küste wandern. Als viertgrößte Insel im Mittelmeer wird sie nur von 275.000 Korsen bewohnt, sie bietet der Natur also sehr viel Platz. In diesem Beitrag erläutere ich, wie sich Pflanzen der mediterranen Flora auf Korsika an Hitze im Sommer anpassen und was man daraus für die Pflege mediterraner Pflanzen lernen kann.
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Ein Olivenhain auf Korsika
Inhaltsverzeichnis
Korsika - Insel der Berge
Erfahrene Korsikaurlauber wissen es - Korsika ist vor allem Bergland. Geologisch streng genommen handelt es sich bei der korsischen Landmasse um die Gipfel eines mächtigen Gebirges, das die Plattentektonik vom französischen Festland nach Süden verschoben hat. Nicht nur der höchste Berg, der Monte Cinto bietet mit 2706 Metern alpine Möglichkeiten. Verschieden lange Bergketten ziehen sich von Norden nach Süden oder von Osten nach Westen. Im Ergebnis entstehen hohe bis mittelhohe Berge und Hügelketten, bei denen Sonne und Winde zwischen Gipfeln und Tälern unterschiedliche klimatische Bedingungen formen. Steigungsnebel und -regen versorgen die mediterrane Flora mit Feuchtigkeit und sorgen für eine in den Bergen üppig grüne Vegetation, auch im heißen Sommer.

Die Macchia - eine immergrüne Strauch- und Buschvegetation- prägt die mediterrane Landschaft auf Korsika
Mediterrane Flora, Macchia und Wälder
In Verbindung mit der Unzugänglichkeit der Täler und so mancher Bergregion zeigt sich Korsika im Zentrum der Insel als zum Teil noch unberührte oder nur wenig vom Menschen beeinflusste Natur. Die Mitte der Insel wird von einem großen zusammenhängenden Wald geprägt. Dort, wo der Mensch größeren Einfluss hat und die Küste näher rückt, hat die zweite für Korsika typische Vegetationsform ihren Auftritt: die Macchia. Sie ist eine Landschafts- und Vegetationsform, die nach Abrodung von Wäldern enstanden ist. Typisch sind widerstandskräftige immergrüne Sträucher, die durch ihr besonderes Aroma den Ruf der mediterranen Flora auf Korsika geprägt haben. Meine Lieblingspflanzen der Macchia sind der Erdbeerbaum sowie die Zistrose.

Typisch mediterrane Gehölze sind Feigenbäume, Pinien und Steineichen.
Mediterrane Pflanzen der Macchia und ihre Überlebensstrategien
Interessant ist die Macchia als mediterrane Flora nicht nur wegen des satten Grüns, das sich lebhaft von anderen im Sommer verdorrten Vegetationen im Mittelmeerraum abhebt. Vielmehr kann man hier erleben, wie sich die Pflanzen an das mediterrane Klima angepasst haben. Dieses ist im Sommer heiß und trocken. Trotz der Steigungsfeuchte an Berghängen sind auch auf Korsika Niederschläge die Ausnahme -ganz im Gegensatz zu den gefährlichen Waldbränden. Entsprechend ist es die Strategie von Pflanzen wie Stein- und Korkeiche, Mastixstrauch oder wilden Olivenbäumen, den heißen Sommer ohne Wasser gut zu überstehen. Im Gegenzug bilden Sie bei Sonnenhitze besonders aromatische aetherische Öle, die jeder von Rosmarin und Lavendel nur zu gut kennt.

Steineiche, Zypressen, Pinien, Olivenbaum und im Vordergrund Mastixsträucher
Mach doch mal Pause - eine Wachstumspause
Eine ganz wichtige Anpassung ist die Reduzierung der vegetativen Aktivitäten im Sommer. Bei Temperaturen um oder über 30° C stellen viele Pflanzen der mediterranen Flora das Wachstum ein. Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal gefragt, warum ihr Olivenbaum im Sommer nicht wächst. Auch Olea europeae pausiert im Hochsommer mit Blattwachstum, umso wichtiger ist das Frühjahr, auf das sich das Höhenwachstum der Pflanzen konzentriert.
Mediterrane Flora - Sonnenschutz in Grün
Neben dem Herunterfahren der vegetativen Aktivität müssen sich mediterrane Pflanzen vor allem vor zuviel Verdunstung schützen. Gleichzeitig müssen sie Wasser speichern, um bei nur seltenen Niederschlägen dennoch genug Wasser zur Verfügung zu haben.
Die Verdunstung wird auf verschiedenen Wegen reduziert. Ein sehr übliches Verfahren ist zunächst die Reflexion des Sonnenlichts. Auch hier ist der Olivenbaum mit seinen silbrig grauen Oberflächen das Paradebeispiel. Im hellen Sonnenlicht Korsikas führt diese Reflexion zu einem silbernen Glanz, der die Olivenhaine prägt. Aber auch andere Pflanzen wie etwa die Steineiche reflektieren das Sonnenlicht mit glatten und glänzenden Oberflächen.

Auf Korsika und in vielen anderen Gegenden im Mittelmeerraum wachsen Olivenbäume auch wild außerhalb von Olivenhainen.
Schutz vor zuviel Verdunstung bietet nicht nur Reflexion des Lichts sondern auch die Beschaffenheit der Blätter. Manche Blätter wie etwa beim Erdbeerbaum haben einen wachsartigen Überzug, der die Verdunstung reduziert. Die auf Korsika wie 'Unkraut' wild wachsenden Feigen haben eine rauhe Oberfläche. Zitruspflanzen, wenngleich nicht ursprünglich mediterran, aber dennoch im Mittelmeerraum seit Jahrtausenden vertreten, verschließen ihre Spaltöffnungen bei Hitze. Schließlich sind die Wasserspeicher der Sukkulenten, wie etwa der auf Korsika wild wachsenden Aloen typische Mittel gegen mediterrane Trockenheit. Die Umbildung von Blättern zu Dornen hat in der Evolution zwei botanische Fliegen mit einer Klappe geschlagen: die Oberfläche und damit die Verdunstung wurde verringert, gleichzeitig entstand ein wirksamer Schutz gegen Fressfeinde.

Die perfekt an Trockenheit angepasste Aloe wächst in Korsika auch wild.
Was heisst das für die Pflege mediterraner Pflanzen?
Nicht nur bei sommerlichem Dauerregen wie in manchem Jahr ist bei dieser Beschaffenheit mediterraner Pflanzen im Sommer der Schutz vor zuviel Nässe genauso wichtig wie im Winter der Schutz vor Kälte und Frost. Stellen Sie Ihre mediterranen Pflanzen in der Nähe des Hauses auf, wo man den Regenschatten des Gebäudes nutzen kann. Perfekt sind Überdächer, vor allem für die bei Feuchtigkeit empfindlich reagierenden Sukkulenten und mediterranen Kakteen wie etwa dem Feigenkaktus.

Fester Bestandteil der korsischen Flora - der Erdbeerbaum.
Sorgen Sie mit einer ausreichenden Drainage dafür, dass Wasser im Topf gut abfließen kann. Bei Trockenheitskünstlern wie dem Olivenbaum, dem Erdbeerbaum oder auch der Zistrose kann ein nennenswerter Sand- und Steinanteil im Substrat das Feuchtigkeitsproblem lösen. Sorgen Sie darüber hinaus für sonnige Wärme. Ideal sind auch hier schützende Wände hinter oder über den Pflanzen, vor oder unter denen sich die Wärme staut. Dann fühlen sich Ihre Pflanzen der mediterranen Flora fast wie zu Hause.
Text und Fotos: Dr. Dominik Große Holtforth