Exotische Pflanzen und Bäume erfreuen uns immer häufiger auf Garten und Terrasse, ein Großteil unserer Gartenpflanzen sind 'Einwanderer'. Spätestens dann aber, wenn im Verlauf des Jahres der Herbst beginnt, muss man sich mit der Frage beschäftigen, wie exotische Pflanzen im Winter geschützt werden können. In diesem Beitrag möchte ich die wichtigsten Aspekte des Schutzes von Pflanzen im Winter darstellen. Dazu gehört die Frage, wann der Schutz beginnt, was wir über das Winterwetter wissen können, wie ein geeigneter Winterschutz und das Winterquartier beschaffen sein müssen und welche technischen Hilfsmittel bei der Überwinterung helfen.
Inhaltsverzeichnis
- Warum muss man Pflanzen im Winter schützen
- Schutz vor Frost
- Schutz vor Nässe
- Schutzmaßnahmen für exotische Pflanzen im Winter
- Winterschutz im Garten
- Geschützte Aufstellung auf Balkon und Terrasse
- Schutz in einem Winterquartier
- Überwinterung bei einem Überwinterungsservice
- Wann soll man Pflanzen im Winter reinstellen
- Wetterphänome und Wetterverlauf im Winter
- Frostwahrscheinlichkeit
- Bewölkung und Wetterlage
- Niederschläge und Feuchtigkeit
- Technische Hilfsmittel für die Pflanzenüberwinterung

So reizvoll ein kalter Wintermorgen auch sein mag, so gefährlich ist er für exotische Pflanzen.
Warum muss man Pflanzen im Winter schützen
Exotische Pflanzen sind Pflanzen, die aus anderen Ländern und Klimaregionen stammen. Dort haben sie sich an wärmere Temperaturen und eine intensivere Sonneneinstrahlung angepasst. Sie sind immergrün, dh. ein Schutz durch Abwurf des Laubs besteht in der Regel nicht. Dafür bilden exotische Pflanzen besonders schöne Blüten und Blattschmuck. Die Sache hat allerdings einen Haken: an Frost, der in den südlichen Regionen nicht oder nur selten auftritt, haben sich diese Pflanzen nicht angepasst.

Je schöner die Blüte, umso empfindlicher reagiert die Pflanze auf Frost - so auch beim Agapanthus.
Schutz vor Frost
Was also fehlt, ist ganz simpel Frostschutz für exotische Bäume und Pflanzen im Winter. Besonders empfindlich sind die weicheren Pflanzenteile wie Blüten, Knospen und junge Blatttriebe. Je stärker verholzt ein Pflanzenteil ist, umso eher ist er in der Lage, kalte Temperaturen auszuhalten. Daher muss man insbesondere junge und weiche Pflanzenteile bei den Pflanzen im Winter schützen.

Morgentau -wie hier auf einer Orange- kündigt kältere Nacht- und Morgentemperaturen an.
Frost ist auch dann problematisch, wenn der Wurzelballen komplett durchfriert. Dann wird der Stoffwechsel der Pflanze unterbrochen, der aus einem Kreislauf zwischen Wurzeln und Blättern besteht. Kommt es im späten Winter bei gefrorenem Boden zu einer Erwärmung der Blätter durch die stärker gewordene Sonne, funktioniert die wichtige Verdunstung nicht. Da der Boden gefroren ist, können die Wurzeln kein Wasser in Richtung Blätter liefern. Die Pflanzen erfrieren nicht, sie vertrocknen!

Bei Frost drohen Frostschäden, die man bei dieser Kamelienblüte an den dunklen Flecken erkennen kann.
Schutz vor Nässe
Aber nicht nur die Kälte stellt für die Pflanzen eine große Herausforderung dar. Als weitere klimatische Besonderheit unserer Winter sind stärkere Niederschläge, viel Wasser und Feuchtigkeit für die Pflanzen ungewohnt. Insbesondere wenn es kühl ist, versagt die Verdunstung der Pflanzen, mit der sie Feuchtigkeit abzubauen. Wurzeln brauchen aber Sauerstoff, bei zuviel Wasser und Feuchtigkeit werden die Pflanzen quasi erstickt. Diese Situation ist übrigens bei allen Hobbypflanzen -drinnen und draußen- das häufigste Pflegeproblem!

Auch zuviel Regen und Nässe kann Pflanzen im Winter und Herbst zusetzen.
Schutzmaßnahmen für exotische Pflanzen im Winter
Der Winter ist also für exotische Pflanzen eine echte Herausforderung, daher ist Schutz erforderlich. Drei Schutzmaßnahmen können dabei unterschieden werden:
- Winterschutz bei im Garten ausgepflanzten Exoten
- Geschützte Aufstellung auf Balkon und Terrasse
- Schutz in einem frostfreien und trockenen Winterquartier.

Ein Gewächshaus bietet idealen Winterschutz und ausreichend Licht.
Winterschutz im Garten
In milden Regionen hierzulande können bedingt winterharten Pflanzen wie etwa Olivenbaum, Feigenbaum oder Hanfpalme ausgepflanzt werden. Allerdings sollte man für diese Pflanzen Schutzmaßnahmen für große Kälte und besondere Nässe bereithalten. Als Schutz oder besser Winterschutz* vor hartem Frost im zweistelligen Bereich sind Vliese, Schutzhauben oder einfache Decken möglich, in denen man die Pflanzen einpackt. Allerdings sollte das niemals unkontrolliert für einen längeren Zeitraum erfolgen. Regelmäßig kommt es unter den Winterschutz - Hauben und Vliesen -gerade bei den Olivenbäumen- zu Blattverlust. Auch Feuchtigkeits- und damit Schimmelprobleme können eine Rolle spielen. Es ist zwar aufwändig, aber sinnvoll, die Pflanzen im Winter immer nur für kurze Zeit bei drohendem starken Frost mit Winterschutz einzupacken.

Mit ein wenig Folie kann man den Olivenbaum gut vor Frost schützen.
Günstiger, aber auch aufwändiger sind da schon Überwinterungszelte* oder -gewächshäuser. Diese werden über der ausgepflanzten Pflanze aufgestellt und bieten Schutz vor Kälte und Nässe. Gleichzeitig sind sie transparent und geben der Pflanze Licht. Einziges Problem bei dieser Lösung: in dem Maße wie die Pflanze wächst, muss das Gewächshaus mitwachsen.

Der Mittelmeerschneeball bietet als immergrüner Strauch für andere Pflanzen Schutz.
Als weiterer Schutz für ausgepflanzte bedingt winterharte Pflanzen ist außerdem die Wahl eines geschützten Standorts im Garten zu nennen. Schutz kann durch umgebende, dichte Gehölze oder durch eine Gartenwand gegeben sein. Der Schutz vor Nässe wird vor allem durch Verwendung durchlässiger Erde bei der Pflanzung erreicht. Schließlich schützt auch eine Mulch- oder Reisigschicht die Pflanze vor Nässe und Kälte.

Kamelien sind -je nach Sorte- in vielen Regionen winterhart oder bedingt winterhart.
Geschützte Aufstellung auf Balkon und Terrasse
Bevor eine bedingt winterharte Pflanze ausgepflanzt wird, empfiehlt sich eine 'Probezeit' als draußen überwinternde Kübelpflanze. Bleibt die Pflanze im Kübel und ist dabei auch noch kleiner, lässt sie sich besser schützen. Dabei muss vor allem der Topf eingepackt und vor Kälte und Nässe geschützt werden. Guten Winterschutz* bietet auch ein Platz direkt am Haus, da dieses Wärme abstrahlt. Besonders günstig ist eine Überdachung z.B. durch einen Balkon oder in einem Schuppen. Dieser schützt vor allem vor Strahlfrösten in besonders klaren und kalten Winternächten.

Da der Feigenbaum im Winter das Laub verliert, lässt er sich gut vor Frost schützen.
Die Überwinterung als Kübelpflanze auf der Terrasse bietet Euch die Möglichkeit, kurzfristig auf unerwartete Witterungsverläufe zu reagieren. Wenn es kälter wird als erwartet, kann man die Pflanze doch noch reinholen oder noch besser einpacken. Dadurch, dass es draußen ja kühl ist, sind die Pflanzen in der Winterruhe und lassen Einiges mit sich machen.
Schutz in einem Winterquartier
Bei den meisten exotischen Pflanzen im Winter herrscht allerdings im Wortsinne 'Null-Toleranz' bei Frost. Diese Pflanzen -wie zum Beispiel
- Zitruspflanzen
- Oleander
- Wandelröschen
- Bougainvillea
- Agapanthus
- und viele mehr

Auch wenn das Wandelröschen subtropisch ist, lässt es sich gut überwintern.
vertragen keinen oder nur so wenig Frost, dass ein Aufenthalt draußen zu gefährlich ist. Sie benötigen ein Winterquartier, in dem sie in einer wohltuenden Winterruhe, der so genannten Dormans 'schlummern' bis die Sonne wieder stärker geworden ist. Die Winterruhe ist ein wichtiger Faktor, denn nur so kommen diese lichthungrigen Pflanzen mit dem geringen Licht unserer Winter zurecht. Die Vegetation und damit auch die Winterruhe hängt von der Lufttemperatur ab, damit die Pflanzen im Winterquartier nicht weiter wachsen, ist eine Temperatur von 5° bis 10° C ideal. Dann kommen sie auch mit weniger Licht zurecht. Weniger Licht bedeutet aber keinesfalls, dass fensterlose Räume geeignet sind: Eine Mindestbeleuchtung von 1.500 Lux bei den genannten kühlen Temperaturen ist wichtig für Blüte und Austrieb im nächsten Frühjahr. Wie Ihr den Luxwert bestimmen könnt, erfahrt Ihr weiter unten.

Ein Kalt-Gewächshaus reicht bei vielen exotischen Pflanzen aus, um Pflanzen zu überwintern.
Winterquartiere, die diese Voraussetzungen als Winterschutz erfüllen, sind zum Beispiel:
- Kalt-Wintergarten
- Gewächshaus
- unbeheiztes Treppenhaus
- andere unbeheizte Nebenräume
- Überwinterungszelt auf der Terrasse.
In jedem Fall ist auch für Frostfreiheit zu sorgen, dafür eignet sich ein Frostwächter*. Das ist eine Heizung, die nur dann heizt, wenn die Temperaturen einen Mindestwert unterschreiten.
Überwinterung bei einem Überwinterungsservice
Wer kein geeignetes Winterquartier hat, kann seine Pflanze auch bei einer Gärtnerei überwintern lassen, die einen Überwinterungsservice für Pflanzen im Winter anbieten. Da es zu diesem Service immer weniger Anbieter gibt, sollte man sich rechtzeitig, um einen Platz bei der Überwinterungsgärtnerei kümmern.
Wann soll man Pflanzen im Winter reinstellen
Eine der schwierigsten Fragen beim Schutz der Exoten im Winter ist, wann der Schutz im Jahr beginnen soll. Meine Empfehlung ist, die Pflanzen so lange wie möglich, draußen zu lassen. Erst wenn konkret Frost droht, muss man die Pflanzen reinholen oder den Schutz draußen einsetzen. Die Frage, wann Frost droht, ist eine Frage, die Euch gute Wetterprognosen beantworten.
Wetterphänome und Wetterverlauf im Winter
Leider wird unser Klima -als Summe der Wettererscheinungen- immer unberechenbarer. Daher sollte man sich auf gar keinen Fall auf den Klimawandel verlassen, getreu dem Motto 'Es wird ja immer wärmer'. Die Auswirkungen des Klimawandels sind keineswegs klar. Metereologen sind heute allerdings in der Lage, eine drei- bis viertägige Prognose zuverlässig abzugeben. Am Besten ist, man sammelt eigene Erfahrungen, die helfen, den Wetterverlauf einzuschätzen. Diese kann man durch Prognosen und Wetterinformationen ergänzen. Unterhaltungswert haben Versuche, Langfristprognosen für den Winter aufzustellen.
Frostwahrscheinlichkeit
Sehr hilfreich ist dagegen etwa die Information des Deutschen Wetterdienstes zur Frostwahrscheinlichkeit in einzelnen Regionen. Dort kann man für den eigenen Wohnort feststellen, wann in den Vorjahren erste Fröste mit welcher Wahrscheinlichkeit aufgetaucht sind. Im Schnitt sollte man ab der zweiten Oktoberhälfte wachsam sein. Die Frostgefahr hält bis Mitte April auf jeden Fall an. In milden Regionen ist die Zeit mit höherer Frostwahrscheinlichkeit etwas kürzer, sie reicht von Mitte November bis Mitte März. Danach sind aber auch in milden Regionen noch geringere Nachtfröste möglich.
Bewölkung und Wetterlage
Ein wesentlicher Faktor ist die nächtliche Bewölkung. So schön ein sternenklarer Himmel in einer Winternacht sein mag -mit dem typischen Wintersternbild Orion- so eindeutig steht diese Wettersituation für Frostgefahr. Ist es bewölkt, ist die Abstrahlung von Wärme eingeschränkt, Frost wird unwahrscheinlicher. Am kältesten ist es am frühen Morgen, etwa zwischen 5 und 6 Uhr. Ich habe schon Nächte erlebt, wo ich früh wach wurde, Orion erblickte und dann blitzschnell vor 5 Uhr Pflanzen einräumen musste.
Für das Ausmaß der Bewölkung, die die Temperatur erhöht aber leider auch das Sonnenlicht reduziert, ist die Wetterlage maßgeblich. Diese wird meistens entweder von Tiefdruckgebieten vom Atlantik oder von Hochdruckgebieten vom mitteleuropäischen Festland bestimmt.
Niederschläge und Feuchtigkeit
Leider ist nicht nur Kälte, sondern auch Nässe ein Problem. Bei Pflanzen, die feuchtigkeitsempfindlich sind, solltet Ihr auch die Niederschläge im Auge behalten. Besonders ungünstig ist der späte Winter für Pflanzen, die draußen überwintern. Diese sind in der Winterruhe und können Feuchtigkeit nicht verdunsten. Es hat sich aber während des Winters schon sehr viel Feuchtigkeit angestaut. Wenn es dann im Januar besonders nass ist, können schnell Feuchtigkeitsschäden auftreten.
Technische Hilfsmittel für die Pflanzenüberwinterung
Wie häufig so auch beim Schutz der Pflanzen im Winter sind es kleine, technische Helfer, die die Erfüllung einer Aufgabe erleichtern. Auf folgende Geräte möchte ich nicht mehr verzichten:
- Außenthermometer
- Luxmeter
- Feuchtigkeitsmesser
Ein Außenthermometer gibt Auskunft über die tatsächlichen Außentemperaturen an Haus oder Wohnung. Idealer Weise hat das Thermometer eine Speicherfunktion, die die tiefste und höchste Temperatur der letzten 24 Stunden anzeigt. Komfortabel ist es natürlich auch, wenn die Messung außen erfolgt, das Thermometer aber innen aufgestellt wird.
Ein Luxmeter misst den Luxwert an einem Standort. Lux ist eine Maßeinheit, die sich aus Lumen pro Quadratmeter bestimmt. Der Lumen-Wert wiederum ist ein wichtiger Wert für die Lichtstärke. Ein Luxmeter misst also die Lichtstärke oder -energie pro Quadratmeter. Ein guter Wert für eine kühle Überwinterung ist 1.500 Lux, bei höheren Temperaturen etwa um die 15° C, sollte 3.000 Lux erreicht werden. Zum Vergleich: an einem sonnigen Sommertag könnt Ihr draußen Luxwerte über 100.000 lx messen.
Schließlich hilft der Feuchtigkeitsmesser, Pflanzen im Winter und im Sommer angemessen zu gießen. Der Feuchtigkeitsmesser* hat eine lange Sonde, die tief in die Erde gesteckt wird. So bekommt man eine Information, ob die Erde in tieferen Schichten abgetrocknet ist. Erst dann sollte gegossen werden.
Mein Lorbeerbusch in einem Kübel ist in 20 Jahren so groß und schwer geworden, dass ich ihn nicht mehr in unseren Wintergarten transportieren kann, und ich plane daher, ihn auspflanzen zu lassen. Kann ich das wagen oder müßte ich auch da mit Decken für Minusgrade parat stehen ?
P.S.
Immer im Winter hat er stark (aber unscheinbar) geblüt. Ist das normal ?
Hallo,
es hängt sehr von der Region ab, wo Sie den Lorbeer auspflanzen wollen. In ganz milden Regionen können Sie es an einem gut geschützten Platz probieren. Gefährlich ist die Kombination aus Frost und Sonne, dann versucht der immergrüne Lorbeer Wasser zu verdunsten, kann aber aus der Erde kein Wasser zu den Blättern transportieren. In diesem Fall verdurstet der Lorbeer.
Die Winterblüte ist sicher aufgrund des guten Klimas in Ihrem Wintergarten entstanden. Diese ist sicher eher unnormal.
Bei weiteren Fragen dürfen Sie sich gerne melden.
Viele Grüße
Dominik Große Holtforth