Wenn ihr einen Feigenbaum auspflanzen möchtet, ist die Feigensorte, eure Region und der Standort in eurem Garten wichtig. Nur mit der richtigen Sorte am richtigen Standort könnt ihr sicher sein, dass euer Feigenbaum winterhart ist. Welche Sorten und Standorte in Frage kommen, erkläre ich euch hier. Auch hilfreiche Pflanz- und Pflegetipps findet Ihr in diesem Beitrag.
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Inhaltsverzeichnis
Einen Feigenbaum auspflanzen - auf die Sorte kommt es an
Feigenbäume sind Obstpflanzen mit einer langen Kulturgeschichte, die bis weit in die Antike zurückreicht. Die aromatisch-süße Frucht, die außerdem noch nährhaft und gesund ist, hat es immer schon attraktiv gemacht, Feigen anzupflanzen und zu ernten. Doch dabei mussten Feigenliebhaber nördlich der Alpen ein Problem lösen.

Mit seinen großen Blättern verbreitet der Feigenbaum mediterranes Flair in jeden Garten.
Kultur- versus Wildfeige
Erfinderisch wie der Mensch ist, hat er die Feige auch gezüchtet, um Feigenbäume und Früchte mit besonders positiven Eigenschaften zu erhalten. Die Zucht spielt eine wichtige Rolle, wenn ihr einen Feigenbaum auspflanzen wollt. Denn nur mit einer gezüchteten Feige, einer so genannten Kulturfeige, könnt ihr hierzulande einen Ernteerfolg haben. Dagegen dürfte es mit einer Wildfeige, die ihr etwa aus einem Steckling aus dem Mittelmeerraum gezogen habt, schwer werden, Feigen zu ernten.

Im Mittelmeerraum wachsen Wildfeigen überall - so wie hier in Patrimonio auf Korsika.
Feigenwespen? Fehlanzeige!
Der Grund dafür liegt in der Fortpflanzung der Feige, bei der die Symbiose mit der Feigenwespe die zentrale Rolle spielt. Feigen bilden keine normalen Blüten. Vielmehr wachsen zunächst Fruchtkörper, in deren Inneren sich eine Innenblüte befindet. Der Zugang zu dieser Blüte ist nur für die Feigenwespe erreichbar. Sie kriecht in den Fruchtkörper und bestäubt die Blüte. Leider gibt es hierzulande keine Feigenwespen, es ist ihnen einfach zu kalt und zu nass. Aber wie kann man dennoch Feigen ernten?

So appetitlich sehen nur befruchtete Feigen aus. Dort, wo die Feigenwespe fehlt, braucht man eine selbstfruchtende Feige.
Feigenernten sind hierzulande deswegen möglich, weil Feigenzüchter selbstfruchtende Feigenbäume entdeckt haben und diese durch Stecklinge vermehrt wurden. Die Fruchtbildung ohne Befruchtung ist eine Laune der Natur, eigentlich eine Fehlsteuerung, denn die Früchte und Samen, die entstehen, sind unfruchtbar. Aber es entstehen auch leckere Feigen und das ist ja die Hauptsache. Auf der Grundlage der Kulturfeigen ist im Laufe der Jahrhunderte eine große Zahl an Sorten entstanden, die hierzulande mit einiger Zuverlässigkeit Früchte bilden.

Die außergewöhnliche Innenblüte der Feige
Mit der Zucht wurden auch andere Eigenschaften verbessert, vor allem die Winterhärte und Widerstandskraft. Es gibt also eine große Auswahl verschiedener Feigensorten, von denen ihr einen Feigenbaum auspflanzen könnt. Für besondere Feigenenthusiasten ist vielleicht sogar eine kleine Sammlung interessant -für die man allerdings Platz benötigt. Am Besten wählt man aktuelle Sorten, die züchterische Tradition mit modernen Erkenntnissen über Klima und Pflanzengenetik vereint.
Die Region und die Winterhärte
Doch bevor man eine Sorte wählt, sollte man überlegen, wie kalt der Winter in der eigenen Region ist. Die gute Nachricht ist, dass Feigen wirklich robust und in vielen Region winterhart sind. Frieren Äste und Zweige ab, treibt die Feige relativ problemlos wieder aus. Aber natürlich spielen die Winter- und auch Sommertemperaturen eine wichtige Rolle für das Wachstum und die Süße der Früchte. Wenn man also in einer kälteren Region wohnt, sollte man auch eine für diese kälteren Temperaturen gezüchtete Feigensorte wählen.

Feigen gehören zum beliebten winterlich-weihnachtlichen Obst.
Regionen lassen sich deutlich nach Winterklima unterscheiden. Hilfreich ist die so genannte Karte der Winterhärtezone. Sie zeigt Temperaturunterschiede zwischen den Regionen nördlich der Alpen auf. Besonders mild sind die Regionen an der Küste, in Flusstälern und in Weinbaugebieten, die aber regelmäßig auch Flusstäler sind. Kälter dagegen sind solche Landesteile, die im Osten stärker vom kontinentalen Klima geprägt sind oder bei denen Höhenlagen zu einer Verringerung der Temperaturen führen. Während in den milden Regionen Frostperioden mit Temperaturen unter -10° C sehr selten sind, muss man in den kalten Regionen regelmäßig mit Ihnen rechnen. Auch dauert der Winter in den kalten Regionen länger, so dass die Vegetationszeit der Feigen kürzer ist. Auch das spielt eine Rolle, wenn man einen Feigenbaum auspflanzen will.

Der ideale Standort für einen Feigenbaum ist geschützt.
Feigensorten - die Qual der Wahl
Glücklicher Weise haben Baumschulen und Züchter eine Vielzahl von Feigensorten entwickelt, die für jede Winterhärtezone hierzulande eine Sorte bereit halten, von der man einen Feigenbaum auspflanzen kann. Hier meine Sortenliste, die aufgeführten Gustissimo-Sorten findet ihr bei Lubera:
Winterharte Feigensorten bis -20° C für kalte Regionen
- Gustissimo Twotimer
- Gustissimo Early Dark
- Bianco
- Bornholmfeige
- Brown Turkey
- Ronde de Bourdeaux
Bedingt winterharte Feigensorten bis -12° für wintermilde Regionen
- Gustissimo Morena
- Gustissimo Califfo
- Gustissimo Mère Veronique
- Gustissimo Peretta
- Gustissimo Rosetta
- Gustissimo Rossa Rotonda
- Bayernfeige
- Pfälzer Fruchtfeige
- Dalmatie
Pflanztipps für die Feige
Nach der Sortenwahl steht das Auspflanzen des Feigenbaums an. Wichtig ist dabei zunächst der Standort.
Der ideale Feigenstandort
Feigenbäume brauchen einen vollsonnigen und geschützten Standort. Sonne und Wärme wirken sich unmittelbar auf die Anzahl, Reife und Süße der Feigen aus. Dagegen dürfte der Ernteerfolg gering sein oder ausbleiben, wenn man die Feige an einen schattigen oder halbschattigen Standort pflanzt. Eine positive Auswirkung hat eine schützende Rückwand. Diese sollte südlich oder westlich ausgerichtet sein, so dass sie kalte Winde aus Norden und Osten abhält. Wenn die Wand tagsüber von der Sonne beschienen wird, kann sie nachts Wärme abgeben. Auch das hilft der Feige bei Wachsen und Fruchten. Für fortgeschrittene Feigengärtner ist ein Feigenspalier interessant, wie man sie auch im Schlosspark Sanssouci bewundern kann. Dort werden in der Terrasse vor dem Schloss Sanssouci Feigenspaliere im Winter hinter Glas geschützt.
Feigen werden groß. Auch wenn man sie problemlos zurückschneiden und klein halten kann, sollte man ein wenig Platz, z.B. 2 Meter in der Breite einplanen. Wer mehr Platz hat, kann dem Feigenwachstum natürlich freien Lauf lassen.

Im Herbst werden die Feigen reif und die Feigenblätter gelb.
Der Zeitpunkt der Feigenpflanzung
Man kann sowohl im frühen bis mittleren Herbst einen Feigenbaum auspflanzen als auch im Frühjahr. Die Herbstpflanzung hat den Vorteil, dass die Feige im dann noch warmen Boden bereits anwurzeln kann. Sie kommt so gut durch den Winter. Allerdings sollte sie im ersten Winter durch einen Mulchschicht und in kälteren Regionen durch einen Schutz für Stamm und Äste geschützt werden.
Boden und Pflanzung
Als echte Pionierpflanze ist die Feige anspruchslos, was den Boden angeht. Allerdings tut man ihr einen Gefallen, wenn der Boden einen hohen Humusanteil hat. Dieser sorgt für ordentliches Wachstum. Ungünstig ist ein zu lehmiger Boden, denn dann kommt es zu Staunässe, die auch der Feige nicht gut tut.
Das Pflanzloch sollte ausreichend groß. Eine bewährte Daumenregel geht von einer Größe für das Pflanzloch aus, die dem Doppelten des Wurzelballens entspricht. Die Feige sollte eher tief eingepflanzt werden. Auf diese Weise werden die Wurzeln geschützt. Die Fähigkeit der Feige, nach einem Frostschaden wieder auszutreiben, wird durch das tiefe Einpflanzen unterstützt.

Die Blätter der afghanischen Wildfeige -einer echten Feigenrarität- sind besonders markant.
Nach dem Einsetzten des Wurzelballens solltet ihr die Feige gerade ausrichten. Anschließen wird das Pflanzloch mit Erde aufgefüllt, die fest angedrückt wird. Schließlich wird der Feigenbaum angegossen. Das Angiessen wird in der Woche nach der Pflanzung an jedem zweiten bis dritten Tag wiederholt. Das Angießen hilft der Feige anzuwurzeln.
Fazit
Wenn man einen Feigenbaum auspflanzen will, spielen die Region und die dazu passende Feigensorte eine große Rolle. Geht auf Nummer Sicher und kauft einen Feigenbaum von einem Anbieter mit ausreichenden Fachkenntnissen und einer Sortenvielfalt. So werdet ihr einen guten Erfolg mit der Feige und schon bald eine reiche Feigenernte genießen können.
Fotos und Text: Dr. Dominik Große Holtforth
Hallo, unser Feigenbaum ist ca. 2-2,5m hoch. Diesen Sommer reiften etwa (nur) zehn Früchte pflück-/essbar heran. Der große Rest der Feigen bleibt klein, reift nicht weiter, fällt ab (inzwischen bestimmt 50 Stück), viele kleine hängen noch am Baum. Im vergangenen Jahr war es ähnlich. Wenn ich mich recht erinnere, ist es eine Bayernfeige. Was kann ich tun, damit die Ernte deutlich üppiger ausfällt? Vielen Dank für Ihren Rat.
Hallo,
in diesem Sommer hat die Trockenheit und Hitze die Feigenernte erschwert. Wie ist die Qualität des Bodens? Sicher macht es Sinn im nächsten Frühjahr mit einem Volldünger zu düngen.
Bei weiteren Fragen dürfen Sie sich gerne melden.
Viele Grüße
Dominik Große Holtforth