Der Feigenstrauch ist die natürliche Wuchsform des Feigenbaums. Wir bieten deshalb im Lubera Pflanzenshop auch alle Feigensorten grundsätzlich nicht als Stämmchen, sondern als Feigensträucher an und empfehlen, den Feigenbaum im Garten wenn immer möglich als Strauch zu erziehen. Dafür gibt es viele Gründe: Die Feige wächst von Natur aus nicht als Stamm (der dann weiter oben eine Krone bildet), sondern als Strauch. Der Feigen-Strauch ist nördlich der Alpen deutlich winterhärter als ein Feigenstämmchen und kann auch einfacher erzogen, geschnitten und geerntet werden. Wir zeigen in diesem Artikel, was die verschiedenen Vorteile des Feigenstrauchs sind und wie er gepflanzt und erzogen werden sollte. Wenn Sie einen Feigenstrauch kaufen möchten, empfehlen wir Ihnen die grosse Auswahl im Lubera Pflanzenshop.
Inhaltsverzeichnis
- Der basitone Wuchs des Feigenstrauchs
- Feigensträucher sind winterhärter als Feigenstämmchen
- Die praktischen Vorteile des Feigenstrauchs
- Einen Feigenbaum als Feigenstrauch pflanzen
- Einen Feigenstrauch schneiden (Video)
- Die Vorteile und Nachteile des Feigenstämmchens
- Die Vorteile und Nachteile des Feigenstrauchs
Der basitone Wuchs des Feigenstrauchs
Der Feigenbaum hat grundsätzlich einen basitonen, Basis-betonten Wuchs. Immer wieder treibt die Feigen aus der Basis neue Triebe – und diese Eigenschaft hilft der Feigen auch, sich nach einem Frostereignis oder auch nach einer grossen Trockenheit zu erholen. Der Wurzelstock überlebt auch nördlich der Alpen die kältesten Winter und macht dann aus der Basis neue Triebe aus denen der Feigenbaum neu aufgebaut werden kann. In ihrer langen und wechselvollen Geschichte seit hunderttausenden von Jahren und auf ihrer weiten Reise von der arabischen Halbinsel über die Mittelmeerländer bis nach Nordeuropa und in die ganze Welt hat die Feige gelernt, auch in den unwirtlichsten, trockensten, aber auch in kälteren Regionen zu überleben, indem sie sich aus dem Wurzelstock regeneriert und so schnell wie möglich neue Triebe, möglichst viele neue Triebe macht. In einem Satz zusammengefasst: Der Feigenstrauch ist Klimaveränderungen gewohnt.

Bild: Gustis® 'Early Black' (Syn. Early Dark) – dieser Twotimer®-Feigenstrauch trägt zweimal im Jahr sehr grosse, dunkle Früchte, einmal bereits Mitte Juli und das zweite Mal Mitte September.
Feigensträucher sind winterhärter als Feigenstämmchen
Dazu kommt: Mehrtriebige Feigensträucher bilden von Natur aus ein breiteres und besser etabliertes Wurzelsystem aus als ein eintriebiger Stamm. Damit erhöht sich die Chance auf eine Erholung der Pflanze nach einem extrem kalten Jahr. Aber auch oberirdisch spielt der Feigenstrauch seine Vorteile aus: Wenn die Temperatur mal unter die kritische Grenze von -12 bis -15°C fällt, können die kleinsten Positionsunterschiede helfen: Ein Feigentrieb steht etwas im Schatten und hat weniger starke Temperaturunterschiede zu ertragen – und zeigt nach einem Frostereignis keinen Schaden, während exponiertere Äste vielleicht nicht mehr austreiben. Oder ein Feigenast steht etwas näher an einer Mauer und hat durch die Wärmeabstrahlung des Bauwerks bessere Überlebenschancen. Die Erfahrung nach Feigenfrostschäden zeigt immer wieder, dass hier auch nur wenige Zentimeter Unterschied entscheidend sein können… Am Ende ist es ganz einfach, es läuft letztlich auf eine fast schon statistisch beschriebende Chancenvergrösserung hinaus: Mehr Triebe bedeuten mehr Überlebenschancen.
Bild: 'Gentile' – die dünnhäutige Feige mit hellen gelbgrünen Früchten mit einem ausgewogenem Geschmack. Die Feigen von 'Gentile' reifen ab Anfang August.
Die praktischen Vorteile des Feigenstrauchs
Wir erhalten immer wieder Anfragen nach Feigenstämmchen… Dabei lassen sich viele Kunden von Bildern von Feigenbäumen leiten, die sie im Urlaub im Süden gesehen haben. Wie wäre es doch so schön, ein elegantes Feigenstämmchen im Garten sein Eigen zu nennen. Aber unsere Gärten befinden sich nun mal nicht im Süden, wo es ganz selten Temperaturen unter -5°C gibt und darum ist die Situation hier auch ganz anders zu beurteilen. Aber es gibt auch ganz praktische Überlegungen, die für einen Feigenstrauch und gegen ein Feigenstämmchen sprechen. Grundsätzlich fruchten die Feigen nur am diesjährigen und am letztjährigen Holz. Davon kann ein Lied singen, wer einen fröhlich wachsenden Feigenbaum besitzt, der sehr schnell 3-5 m Höhe erreichen kann. Die Feige (ob Feigenstämmchen oder Feigenstrauch) wird dann naturgegeben vor allem oben, an der Peripherie der Krone Früchte tragen, eben weil nur das neue Holz vom aktuellen Jahr und vom letzten Jahr Früchte ansetzen kann. Natürlich kann man diesem Effekt mit Schnitt entgegensteuern. Aber wenn man ein Stämmchen gepflanzt hat, dann befinden sich diese Peripherien mit dem neuen fruchtbaren Holz ganz einfach noch höher und kann damit auch nur schwer geerntet werden… Der Stamm und die Höhe des Stamms führen dazu, dass die begehrten Feigen weiter entfernt wachsen. Das freut die Vögel deutlich mehr als den Feigenbaum-Besitzer.
Entsprechend ist es auch aufwändiger, ein Feigenstämmchen einzupacken und über den Winter zu schützen.
Bild: 'Brogiotto Bianco' – der mittelstark wachsende Feigenstrauch mit grün-rötlichen Früchten und amberfarbenem Fruchtfleisch. Die Früchte von 'Brogiotto Bianco' sind im September reif.
Einen Feigenbaum als Feigenstrauch pflanzen
Wie gesagt bieten wir in unserem grossen Feigen-Sortiment im Lubera Pflanzenshop von allen Sorten grundsätzlich Feigensträucher an, die meist schon zwei und mehr Triebe haben. Um den Ausbau des Feigenstrauchs zu fördern und auch um der Feige zu ermöglichen, auch in Zukunft vermehrt Triebe aus der Basis zu entwickeln, empfehlen wir, einen frisch gekauften Feigenstrauch immer tief zu pflanzen: Der obere Topfrand sollte nach der Pflanzung 10-20cm vom Mutterboden bedeckt sein. Dies hat auch den positiven Nebeneffekt, dass er Wurzelstock noch besser vor kälteren Temperaturen geschützt ist. Den Kälteschutz für die Wurzeln kann man zusätzlich unterstützen, indem man einen frisch gepflanzten Feigenstrauch vor allem in den ersten Jahren über den Winter rund um die Triebe und über der Wurzelzone etwas anhäufelt oder ab dem zweiten Standjahr eine Mulchschicht ausbringt.
Einen Feigenstrauch schneiden (Video)
Gerade wenn es darum geht, einen Feignestrauch in einer vernünftigen Höhe zu halten, ist es wichtig, dass neue Basistriebe immer behalten und nicht etwa weggeschnitten werden. Sie sind die Zukunft Ihrer Feigenpflanze und werden dann ab dem 2. oder 3. Jahr auch frische Feigen tragen, die eben nicht in unerreichbarer Höhe reifen, sondern leicht erreichbar sind. Umgekehrt macht es Sinn, vor allem bei einem schon älteren und zu gross gewordenen Feigenstrauch von Zeit zu Zeit einen alten Ast stark zurückzuschneiden oder sogar radikal auf einen 20-50cm Stummel zurückzunehmen, um den Feigenstrauch zu erneuern und kompakt zu halten. Auch aus dem so stark zurückgeschnittenen alten Holz entstehen dann ab Mai wieder neue Triebe, die ab dem zweiten Jahr Früchte tragen. Geschnitten wird nach milden Wintern im Februar/März, nach einem sehr kalten Winter wartet man den Austrieb ab und beobachtet, wie stark der Feigenstrauch zurückgefroren ist. Erst danach wird geschnitten.
Video: Wie schneide ich Feigenbäume, Feigenstäucher?
Die Vorteile und Nachteile des Feigenstämmchens
Natürlich wollen wir ein Feigenstämmchen auch in unseren Gärten nicht gänzlich ausschliessen und wir zeigen in einem separaten Artikel, wie ein Feigenstämmchen aufgebaut und erzogen werden kann. Ein Stämmchen hat ganz klar optische Vorteile, aber man muss sich der Nachteile auch immer bewusst sein:
- Vorteil Optik: Ein Feigenstämmchen mit Stamm und Krone versetzt Ihren Garten wie durch ein Wunder direkt in den Süden… Wer möchte nicht unter einem Feigenbaum sitzen und die angenehmen Seiten des Gartenlebens geniessen?
- Der Feigenbaum wird in jedem Fall immer um die Stammhöhe höher sein als ein Feigenstrauch.
- Winterschutzmassnahmen sind aufwändiger als bei einem Strauch; letztlich kann man nur den Stamm einbinden und schützen.
- Die Früchte sind weiter vom Erdboden entfernt und damit mühsamer zu ernten.
- Bei einem Frostereignis ist die Gefahr gross, jedenfalls grösser als bei einem Feigenstrauch, dass alles zurückfriert, weil es eben nur einen Stamm gibt.
Die Vorteile und Nachteile des Feigenstrauchs
- Nachteil Optik: Der Feigenstrauch wirkt unstrukturierter, wilder und auch etwas weniger mediterran als ein Feigenbaum.
- Die Früchte sind leichter vom Boden aus zu erreichen.
- Der Feigenstrauch ist winterhärter und dank mehr Triebe und einem breiteren Wurzelstock besser überlebensfähig in sehr kalten Wintern, wenn die Temperatur unter die Grenze von -14°C bis -16°C sinkt.
- Der Feigenstrauch kann leichter durch Schnitt kompakt gehalten werden als ein Feigenstamm.
Bild: 'Grise Olivette' – die gut schmeckende, gelbbraune oder olivgrüne Twotimer®-Feige, deren Früchte einmal ab Mitte Juli und das zweite Mal ab Mitte September reifen.
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