
Aufgrund ihrer Optik wäre die Pflanze vermutlich in jedem heimischen Garten zu finden. Doch leider ist der Fingerhut giftig, so dass im Umgang mit ihm äußerste Vorsicht angesagt ist. Besonders Tierhalter müssen aufpassen, da auch Vierbeiner nicht gegen die Giftstoffe immun sind.
Inhaltsverzeichnis
Fingerhut, Digitalis – Steckbrief von Gartenbista
Der Fingerhut gehört zur Familie der Digitalisgewächse. Der häufigste Vertreter seiner Art ist der Rote Fingerhut, Digitalis purpurea, der in ganz Mitteleuropa beheimatet ist. Er wächst bevorzugt auf kalkarmen Böden an halbschattigen bis sonnigen Standorten. Oft ist er an Waldrändern, Hängen sowie auf Lichtungen anzutreffen – sowie in heimischen Gärten.
Beim Fingerhut handelt es sich um eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr bildet sie eine Blattrosette mit großen, ovalen Blättern. So überwintert sie. im zweiten Jahr wächst aus der Blattrosette ein bis zu 1,50 m langer Blütenstängel empor. An dessen Ende bilden sich von Juni bis August viele glockige purpurfarbene, manchmal auch weiße Röhrenblüten, die traubenförmig angeordnet sind. Sie erinnern an Fingerhüte, welche früher von Schneidern verwendet wurden, wodurch die Pflanze ihren Namen erhielt. Aus den Blüten entwickeln sich unzählige Samen, die rings um die Pflanze herum verstreut werden und die sehr keimfreudig sind. So kann aus einer einzigen Digitalis purpurea innerhalb kürzester Zeit eine komplette Dynastie entstehen.
So dekorativ er auch ist: bedauerlicherweise ist der Fingerhut giftig. Nicht umsonst wurde er im Jahr 2007 zur Giftpflanze des Jahres gewählt – er hat sich diesen Titel redlich verdient.
Giftstoffe und Symptome
Der Fingerhut ist in sämtlichen Pflanzenteilen giftig. Verantwortlich hierfür sind die Dititalisglykoside, vor allem Digitoxin. Diese Giftstoffe sind in besonders hoher Konzentration in den Blättern und Stängeln vorhanden. Bereits der Verzehr von 2,5 g Blättern, was etwa zwei Blättern entspricht, kann tödlich sein. Erste Anzeichen für eine Vergiftung sind Übelkeit und Erbrechen; danach treten weitere Symptome auf:
- Durchfall
- Herzrhythmusstörungen
- Sehstörungen
- Verminderte Pulsfrequenz mit gleichzeitig ansteigendem Blutdruck
Der Tod erfolgt meistens durch Herzstillstand.
Fingerhut giftig für Menschen
Für Menschen ist der Fingerhut giftig, so dass nicht nur von einem Verzehr dringend abgeraten werden muss, sondern auch von einem Berühren mit bloßen Händen. Im Umgang mit der Pflanze sollten immer Handschuhe getragen werden!
Kinder/Baby
Für Kinder ist Fingerhut ebenfalls giftig. Da die Pflanzenteile sehr viel Giftstoffe enthalten, reicht bei ihnen bereits eine geringe Menge aus, um tödlich zu wirken.
Fingerhut giftig für Tiere?
Die Dititalisglykoside sind auch für Tiere giftig. Haustierhalter, deren Tiere freien Zutritt zum Garten haben, sollten demzufolge zwingend auf die Kultivierung der dekorativen Pflanze verzichten.
Häufig merken Tierhalter erst spät, dass mit ihrem treuen Freund etwas nicht stimmt. Zunächst sind die Tiere etwas benommen und taumeln. Bei näherem Hinsehen lassen sich blasse Schleimhäute erkennen. Diese Symptome allein sind noch kein großer Grund zur Beunruhigung. Nach kurzer zeit kommt es jedoch für gewöhnlich zu Erbrechen und blutigem oder wässrigem Durchfall.
Lubera-Tipp: Insekten wie Hummeln, Bienen und Schmetterlinge sind nicht nur gegen das Gift immun, sie lieben auch den Nektar der Pflanze.
Hunde?
Die Vierbeiner vertragen die Giftstoffe des Fingerhuts genauso wenig wie Menschen es tun. Die Symptome sind nahezu identisch, der schlimmstmögliche Fall nach Verzehr ebenfalls.
Katzen?
Auch für Katzen ist Fingerhut giftig. Keinesfalls dürfen sie Teile der Pflanze anknabbern oder gar komplett essen – sie würden es nicht überleben.
Nager?
Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Co sind besonders gefährdet, weil sie gerne an Grünzeug nagen. Dies sollten sie bei Digitalis purpurea unbedingt sein lassen, da diese Pflanze ihren Tod bedeuten würde.
Fingerhut giftig für Pferde?
Für Pferde ist Fingerhut giftig. Dasselbe gilt für Ziegen, Kühe und Schafe. Selbst Vögel, die manch eine Pflanze vertragen, die für andere Tiere giftig ist, dürfen keinen Fingerhut essen.
Erste Hilfe bei Vergiftungen
Wenn ein Haustier versehentlich Fingerhut gegessen hat, so muss es umgehend zum Tierarzt gebracht werden. Keinerlei eigene Experimente, höchstens etwas Wasser zum Trinken. Jede Minute zählt!
Fingerhut Heilwirkung
Vorab gesagt: es ist zwingend davon abzuraten, irgendwelche Selbstversuche mit dem Fingerhut als Heilpflanze zu machen. Diese werden eher tödlich enden, als die Krankheit bekämpfen.
Eine Heilwirkung ist allerdings vorhanden: aus dem Fingerhut werden Digitalispräparate hergestellt, welche zu der am häufigsten verwendeten Medikation bei Herzerkrankungen zählen. Digitalis wirkt herzstärkend, tonisierend und verlangsamt den Herzschlag.
Anwendungsgebiete
- Angina pectoris
- Herzrasen
- Herzrhythmusstörungen
- Herzschwäche
In früheren Zeiten wurde der Fingerhut auch gegen viele andere Erkrankungen eingesetzt. Aufgrund seiner starken Giftigkeit wurde davon jedoch Abstand genommen.
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Toller informativer Text! Mein Tierarzt sagt allerdings, dass man um Meerschweinchen keine Angst haben muss. Sie erkennen von alleine, ob eine Pflanze giftig ist oder nicht. Trotzdem wäre ich vorsichtig.