Beim Thema Gurken Ausgeizen sind viele Hobbygärtner zunächst einmal überfordert. Zu unbekannt ist dieses Procedere, so dass manch einer vermutet, diesbezügliche Tipps gehören in das Reich der Fantasie. Andere wiederum wissen zwar, dass es diese gärtnerische Tätigkeit gibt, bei der Frage, wie man Gurken ausgeizen soll, scheitern sie jedoch ebenfalls. Wir bringen Licht ins Dunkel! In unserer Lubera® Kulturanleitung haben wir für Sie zusammengefasst, wann, wo und wie Sie richtig ausgeizen können, nachdem Sie Gurken Pflanzen gekauft haben. Auch Gurkenfreunde, die ihre Kultur im Gewächshaus vornehmen, sollten nicht wegklicken, sondern interessiert weiterlesen, da auch ihre Pflanzen sich über eine derartige Behandlung freuen werden…
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet Gurken ausgeizen?
- Ist 'ausgeizen' dasselbe wie 'entspitzen'?
- Haupttrieb von Seitentrieben unterscheiden
- Ausgeizen sinnvoll oder nicht?
- Vorteile
- Hat das Gurken Ausgeizen auch Nachteile?
- Gurken ausgeizen – Zeitpunkt
- Werkzeuge
- Wie oft muss man Gurkenpflanzen ausgeizen?
- Anleitung für Freilandgurken
- Am Rankgerüst
- Im Gewächshaus
- Gurken in Kübelhaltung ausgeizen?
- Hilfe, der Haupttrieb ist abgebrochen!
- Tipps & Tricks
- Video-Tipp
Was bedeutet Gurken ausgeizen?
Gurken haben die Eigenschaft, neben ihrem Haupttrieb noch Seitentriebe zu bilden, an welchen sich übrigens wiederum weitere Seitentriebe entwickeln können. Überall an diesen Trieben bilden sich Früchte, was nicht zwingend zu einem höheren Ertrag führt. Im Gegenteil: viele Früchte bedeutet einen hohen Wasser- und Nährstoffbedarf, welcher für gewöhnlich von der Pflanze nicht gedeckt werden kann. Dies wiederum bedeutet, dass die Gürkchen unterversorgt sind, verkümmern und so nicht zu verwenden sind.
Beim Gurken Ausgeizen handelt es sich um eine Methode, um die mehr oder weniger überflüssigen Seitentriebe zu entfernen und nur den Haupttrieb übrig zu lasen. In diesen kann die Pflanze ihre gesamte Kraft und Energie stecken, so dass die beliebten, knackigen frischen Gurken nicht nur eine stattliche Grösse erreichen können, sondern zudem auch in hoher Anzahl vorhanden sind.
Ist 'ausgeizen' dasselbe wie 'entspitzen'?
Als gewöhnlicher Hobbygärtner neigt man dazu, die Begriffe 'ausgeizen' und 'entspitzen' gerne durcheinander zu wirbeln – meinen sie doch nahezu dasselbe Procedere, nämlich Gurkenpflanzen durch Entfernen von Pflanzenteilen stärken. Man sollte deswegen nicht allzu kleinlich sein, wenn der Gartennachbar einen dieser Begriffe für seine Tätigkeiten verwendet, obwohl wir eigentlich wissen, dass er etwas anderes meint. Das Ausgeizen bezieht sich grundsätzlich auf ganze Seitentriebe sowie – bei kletternden Exemplaren – auf Pflanzenteile im unteren Bereich. Entspitzen hingegen bedeutet soviel wie 'Spitze entfernen' oder 'Spitze kappen'. Da sich diese Spitze gemeinhin im oberen Bereich befindet, geht es bei dieser Methode auch bei den Gurkenpflanzen den höhergelegenen Pflanzenteilen an den Kragen. Will heissen: Triebe jeglicher Art, die über eine Kletterhilfe hinauswachsen, werden entfernt, die Gurkenpflanze dadurch entspitzt.
Haupttrieb von Seitentrieben unterscheiden
Nun ist es ja immer recht einfach gesagt, dass man irgendwelche Pflanzen ausgeizen soll. Die Praxis zeigt jedoch die recht hohe Fehlerquote dabei, die einzig und alleine deswegen entsteht, weil die Begriffe 'Haupttrieb' und 'Seitentrieb' (auch als 'Geiztrieb' bekannt) nicht ganz klar sind. Besonders dramatisch wird es, wenn die Triebe bereits eine gewisse Länge erreicht haben: es ist dann unglaublich schwer, sie voneinander zu unterscheiden. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir für Sie eine ganz einfache Definition erstellt:
- Der Haupttrieb wächst aus dem Stamm der Gurkenpflanze heraus
- Seitentriebe entstehen zwischen dem Blattstiel und dem Stamm, also genau in der Blattachsel
Ausgeizen sinnvoll oder nicht?
Nun stellt sich manch ein passionierter Hobbygärtner die Frage, inwieweit das Gurken Ausgeizen beim Anbauen sinnvoll ist. Schliesslich würden die Pflanzen ja auch gedeihen und einen Ertrag hervorbringen, wenn sie nicht derartig behandelt werden würden. Das ist an für sich korrekt, jedoch wird dieser Ertrag wesentlich höher ausfallen, wenn sich die Gurken voll und ganz auf die Fruchtbildung konzentrieren können und nicht einen Teil ihrer Kraft in die Versorgung von Seitentrieben stecken müssen. Wer es nicht glaubt, kann ja mal spasseshalber ein kleines Experiment durchführen: einen Teil der Gurken Pflanzen ausgeizen, den anderen Teil ungehindert wachsen lassen. Bei der Ernte wird sich dann zeigen, ob das Ausgeizen sinnvoll ist oder nicht…Eines kann jedoch verraten werden: zwingend notwendig ist es nicht!
Vorteile
Womit wollen wir anfangen: Gesundheit, Ertrag, Wachstumskontrolle? All diese Punkte sind nämlich als relevante Vorteile anzusehen, welche für das Gurken Ausgeizen sprechen.
Eine Gurkenpflanze, die wild und ungehindert wachsen darf, bringt sehr viele Triebe, Blätter und Blüten hervor. Diese nehmen sich gegenseitig den Platz weg. An für sich wäre es gar nicht so schlimm, weil sich dann halt die kräftigsten und widerstandfähigsten Pflanzenteile durchsetzen müssten. Das dichte Gewirr aus Blättern und Trieben sorgt jedoch für ein immer feuchter werdendes Klima, welches einen fantastischen Nährboden für Pilzkrankheiten bildet. Nicht von ungefähr finden wir in diesen Beeten sehr häufig von Mehltau und anderen Pilzen befallene Gurken, die einfach zu nass stehen und zudem noch einer zu hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind. Das Entfernen überflüssiger Pflanzenteile hingegen sorgt dafür, dass der verbleibende Trieb gesund und frei wachsen kann und keinen Nährboden für Pilze bietet.
Warum der Ertrag höher ist als bei nicht entspitzten Gurken? Eigentlich selbsterklärend: wenn eine Gurken Pflanze viele Triebe, Blätter und Früchte zu versorgen hat, benötigt sie viele Nährstoffe. Sie steckt alles, was sie hat, immer wieder in die Bildung neuer Pflanzenteile und vernachlässigt dadurch bestehende. Hat sie jedoch nur ein vergleichbar kleines Stück zu versorgen, geht ihre Energie genau in die sich dort befindlichen Früchte.
Die Wachstumskontrolle, die dem Hobbygärtner obliegt, ist vor allem bei kletternden Gurken von Bedeutung. Wir erinnern uns an das Märchen 'Hans und die Bohnenranke', welche irgendwann gen Himmel gewachsen ist. So weit werden es unsere Gurken zwar nicht bringen, jedoch haben sie ebenfalls eine starke Tendenz nach oben. Dies wiederum erschwert eine Ernte und führt wiederum dazu, dass zu viel Kraft in eigentlich überflüssige Pflanzenteile gesteckt wird.
Hat das Gurken Ausgeizen auch Nachteile?
Sagen wir mal so: wenn Sie wissen, was Sie tun, entstehen beim Ausgeizen von Gurken keine Nachteile. Diese treten nur dann auf, wenn die Tätigkeit nicht ordnungsgemäss durchgeführt wird – beispielsweise, indem der Haupttrieb entfernt wird.
Gurken ausgeizen – Zeitpunkt
Wie schön wäre es, wenn wir Ihnen jetzt einen genauen Termin nennen könnten, an dem Sie ihre Gurken ausgeizen dürfen. Im optimalen Fall sogar mit Uhrzeit… dem ist bedauerlicherweise nicht so. Dieses Procedere wird immer dann durchgeführt, wenn sich die kleinen, unerwünschten Seitentriebe bilden.
Werkzeuge
Für frische, junge Seitentriebe haben Sie das passende 'Werkzeug' bereits dabei: Fingernägel, und zwar jene von Daumen und Zeigefinger. Mit diesen werden unerwünschte Pflanzenteile einfach weggeknipst. Für den Fall, dass Sie erst spät mit dem Procedere beginnen und die Triebe demzufolge bereits fest und kräftig sind, sollten Sie ein scharfes Messer oder eine Schere zur Hilfe nehmen.
Wie oft muss man Gurkenpflanzen ausgeizen?
Tatsächlich ist es nur ein Mal notwendig, Gurken auszugeizen. Die Pflanzen sind höflich genug, den Hobbygärtner nicht mit ständig nachwachsenden Seitentrieben zu belästigen. An der Stelle, an der einmal einer gewesen ist, wird kein anderer mehr nachwachsen. Im Gegensatz zu Tomaten, die ein endloses Kontingent an Geiztrieben besitzen, sind Gurken in dieser Beziehung sehr pflegeleichte Gewächse.
Anleitung für Freilandgurken
Denken wir an die wunderschönen üppig wachsenden und sich fleissig dahinschlängelnden Freilandgurken. Wissen Sie, welches der Haupttrieb ist und wo die Seitentriebe zu finden sind? Spätestens, wenn die Triebe nebst Blättern, Blüten und gegebenenfalls schon kleinen Gürkchen überall im Beet sind, ist eine korrekte Zuordnung tatsächlich sehr schwierig. So kommt es, dass Freilandgurken am Boden wesentlich seltener entspitzt werden als ihre kletternden Verwandten.
Bild: 'Tanja' ist eine ertragreiche, samenfeste Freilandgurke. Sie gedeiht besonders gut auf humosen Böden und bildet grosse, dunkelgrüne Früchte, die ab Juli geerntet werden können.
Wer es sich zutraut, kann jedoch auch hierbei Hand anlegen:
- Seitentrieb suchen
- Diesen Trieb nach zwei Knospen/Blüten/Gürkchen und zwei Blättern kappen
Ausnahmen bestehen bei jenen Seitentrieben, die ganz besonders eifrig wachsen und demzufolge bereits wiederum eigene Seitentriebe gebildet haben: sie werden bereits nach einer /Knospe/Blüte/Gurke sowie einem Blatt entfernt.
Am Rankgerüst
Wenn Gurken an einer Rankhilfe kultiviert werden, ist das Ausgeizen recht angenehm durchzuführen: sämtliche Pflanzenteile wie Knospen, Blüten und natürlich die Seitentriebe werden an den untersten 60 cm entfernt. Dies führt nicht nur dazu, dass die Ernte wesentlich angenehmer ist, wenn man nicht auf dem Boden herumkriechen muss, sondern dient vor allem dazu, Pilzkrankheiten wie Mehltau zu verhindern.
Gurkenpflanzen wachsen immer und immer weiter, wenn ihnen nicht Einhalt geboten wird. Dies sollte immer dann geschehen, wenn die Spitze eines Triebes das Ende der Kletterhilfe erreicht hat. Dadurch wird der Drang der Gewächse, hoch hinauszukommen, ein wenig eingedämmt und sie können sich wieder auf das besinnen, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Gurken hervorbringen, die lecker und zudem gesund sind.
Im Gewächshaus
Für gewöhnlich wachsen Gurken im Gewächshaus an einer Kletterhilfe (Manchmal aus Gurken Samen gezogen). Demzufolge können sie ebenso behandelt werden wie ihre kletternden Verwandten im Freien.
Für den Fall, dass die Pflanzen über den Boden ranken sollen, gelten wiederum die Regelungen wie bei den ins Beet gepflanzten Freilandgurken.
Bild: 'Rocky'® ist die Alternative für alle Gurkenfreunde, die zwar Gurken überaus schätzen, sich aber ein bisschen genieren, die mit gewisser Regelmässigkeit anfallende Gurkenüberproduktion als «Geschenke» an Freunde und Nachbarn zu verteilen.
Gurken in Kübelhaltung ausgeizen?
Neben den grundsätzlichen Vorteilen, die das Gurken Ausgeizen mit sich bringt, ist ein wichtiges Thema in Kübelhaltung zusätzlich nicht zu vergessen: Platz. Häufig wird die Kübelkultur auf Balkonen durchgeführt, welche per se nicht unendlich viel Platz bieten. Würde nun bereits eine einzige Gurkenpflanze diesen für sich in Anspruch nehmen, hätten andere Gewächse das Nachsehen. Das Ausgeizen bietet sich in derartigen Fällen geradezu an: die Gurke benötigt kaum Platz in der Breite, sondern wächst entspannt in die Höhe und bringt dabei einen guten Ertrag.
Hilfe, der Haupttrieb ist abgebrochen!
Leider kann es passieren, dass der so wichtige Haupttrieb abbricht. Dies geschieht beispielsweise durch menschliches Versagen – sprich: Unachtsamkeit oder falsches Ausgeizen -, durch Tiere wie Kaninchen oder andere Gartenbewohner, oder aber auch durch Windeinwirkung. Bemerkt man frühzeitig das Unglück, kann der verletzte Trieb unter Umständen noch gerettet werden. hierfür wird er zunächst aufgerichtet, bis er wieder eine gerade Position einnimmt. Anschliessend wird er mit einem Juteband zusammengebunden und dann an seiner Kletterhilfe fixiert.
Für Haupttriebe, die längere Zeit unversorgt in abgebrochenem Zustand herumliegen, kommt bedauerlicherweise jede Hilfe zu spät. Für die Pflanze vielleicht noch nicht: sind noch Seitentriebe vorhanden, so kann einer von ihnen ausgewählt und zu einem neuen Haupttrieb bestimmt werden. Idealerweise befindet er sich so weit oben wie möglich an der abgebrochenen Stelle. Nach seiner «Beförderung» wird dieser Trieb nun an der Kletterhilfe aufgebunden.
Tipps & Tricks
Das Gurken Ausgeizen dient – wie wir ja nun alle gelernt haben – dazu, dass die Pflanze ihre Kraft in die Bildung von Früchten anstatt vieler Triebe steckt. Diese Fruchtbildung kann zudem dadurch unterstützt werden, dass die Gurken immer dann geerntet werden, wenn sie eine passable Grösse erreicht haben. So kann die Pflanze wiederum aufhören, noch mehr Energie in sie zu stecken und sich der Bildung neuer Früchte widmen.
Die Wunden, welche bei der Entfernung der Triebe entstehen, sind beliebte Eintrittspforten für Viren, Bakterien und Pilze. Da diese natürlich unerwünscht sind, sollten sie möglichst klein gehalten werden. Auf gar keinen Fall dürfen die Geiztriebe einfach ausgerissen werden, da für gewöhnlich solche Risswunden alles andere als klein sind…